CDs
Bücher
Über uns
Termine
Fotos
Videos
Gedichte
Sprüche & Aphorismen
Kolumnen
Spiritualität
Pressemeldungen
Gästebuch
Links
Maries Regenwaldlied
Kontakt

Schlafendes Kind

In der Glut der Träume

rosig angehauchte Wangen,

Schattenwurf der Wimpern

unterm zerzausten Haar, die

zu Fäusten geballten Händchen

rechts und links des Kopfes,

der silbrige, bläschenwerfende

Spuckefaden, der sich aus dem

einen Mundwinkel spinnt, das

Grübchen am Kinn, schlafwarmes

Räkeln, gemurmelte Botschaften

aus der Anderswelt, eine leis‘

klopfende Ader, kontrapunktisch

gesetzt zum Atem, der die schmale

Brust hebt und senkt und hebt

und senkt, im ureigenen Rhythmus

alles Lebendigen, völlige Entrücktheit

unter Hinterlassenschaft dieses

kleinen schweren Körpers, Pfand

der Wiederkehr aus dem Reich

des Unsagbaren.

Wie liebe ich dich, du, einziges

Kind, Symbol für all die, die je

geboren.

Bettina Oehmen

 

Aufgesang

Du raunst uns zu in unsren Träumen,

verborgner Hüter unsres Glücks.

Entscheidungen, die wir versäumen,

Du drängst, dass wir sie endlich ‚treffen’

im nächsten, rechten Augenblick.

Verborgner Wächter unsres Seins,

du hilfst zu sondern und zu scheiden,

ein Führer uns von Anbeginn.

Du leitest uns, auch wenn wir leiden,

verborgner Hüter unsres Lichts,

zum reinen Quell der Liebe hin.

Bettina Oehmen

 

Vereint

Du trinkst aus mir, ich trink aus Dir,

wir sind wie Kelch und Wein,

wie ein Gewand aus Licht ist dein

Begehren schimmernd. Ein

und noch ein Kuss, zerspringe schier

und will jetzt bei Dir sein.

Doch fühl mich nah ich, nicht allein,

ich bin in Dir und Du in mir,

wir sind getrennt zum Schein.

Bettina Oehmen

 

Aufruf zur Liebe

Wenn Rosenmond

mit Flügeln aus geborgtem Licht

am Horizont verschwebt,

dann leg ich meine Lippen auf dein Herz;

und alles, was es pocht, vernehm’ ich wohl,

Du kannst mir nicht mehr sagen

als es längst schon weiß;

drum lass es schlagen, lass,

es drängt sich zu mir, will mein Puls sein,

will erst Haut sein zwischen dir und mir

und will dann Grenzen sprengen;

will die Botschaft sein,

der Mund, aus dem die Liebe

in den Himmel springt,

ein Lächeln, das entspannt

sich in die Rosenblätter bettet,

die der Mond verstreute,

lang bevor er schlafen ging.

Was sollen Zweifel uns, was ängste?

Hat nicht die Sonne uns mit ihrem Licht

die Augen hell gemacht,

damit sie stets erkennen,

wo die Liebe sich verbirgt?

Drum lass dich lieben, wo du lieben willst

und folg’ dem Rosenmond.

Komm, lass dein Herz im freien Fluge

sich verschweben dort am Horizont,

wo Lippen sich auf Herz gelegt,

ein neues Universum schufen,

deins und meins.

Bettina Oehmen

 

Himbeerherz

Ich

nehme

Dein Herz

und leg Lippen

aus Himbeerrot

mitten hinein.

Und sprichst Du von Liebe,

dann flattert mein Blut, und es

pocht gegen jedes Verbot in die Hand,

die mein Leben umfasst. Sieh nur zu, wie

der Atem des Himmels, wie Stürme aus

wispernden Stimmen Dich reizen;

und mitten hinein in Dein

Schau'n will mein Lager

bereiten ich und

will sein

Atem Dein,

Herz Du, bin

Lippen aus fraglos

sich gebenden Sinnen;

und zinnenfern bist Du mir

Burg, bist ein Ritter aus Kuppen

und Tälern, aus Sanftmut und Sein.

Und mitten hinein leg' ich Lippen;

und meines wird Dein.

Liebesmorgen

In Augen, die Nacht noch enthalten,

erwacht dieser Morgen,

und in Deine Süße lehnt sich der Tag.

Komm, wirf mir herüber

Gewänder aus Schatten und Licht,

auf dass ich sie breite,

nur Dich zu empfangen, im Flüstern,

im Blühen der Münder. Komm!

Selber noch trunken

von einem Vergessen,

das stärker als Honig und Wein

meine Sinne umfing,

lass’ willig mich treiben

ich, Strandgut, bin Schatz,

gold’ne Ketten und Schnüre,

bin Taler und Tempel der Liebe,

bin nimmer und ewig, bin Dein.

Bettina Oehmen

 

Minne

Durch mittelhochdeutsche Lande wandernde Hände

mit Kuppen aus Berg und Tal, hautnah

Erhebungen sanft durchwandert, geöffnete Lippen

voll süßer Lieder, Waldungen umarmt, dort,

wo die Ströme ineinandergeh’n, Verwehungen,

raschelnd vor Frühling, Erkundung, Aug in Aug,

dein Lächeln gesät in fremde Erde, nach Neuland tastend,

lauschend vor Sturm in der Stille nachfolgenden Erwachens

unterm freienden Himmel der Minne.

Bettina Oehmen Bettina Oehmen

 

Herzwinter

Der Herbst malt’ mit kräftigem Strich sein Portrait,

die Haut birnenglatt, die Kastanien im Haar,

die Nüsse aus Gold wie sein Augenpaar.

Sie suchte und fand immer mehr seine Näh’,

Hagebutten am Ohr immerrot wie ihr Herz,

und drinnen, da tobte ein herrlicher Schmerz.

Sie lehnte sich an ihn mit all ihrem Weh;

er schüttelt’ die Schultern in stürmischer Pracht,

und bald darauf senkte herab sich die Nacht.

„Ich kann nur ihn denken, wo geh ich, wo steh’?

Ich harke die Sehnsucht, ach, in meiner Brust

und mähe und sense, als hätt’ ich’s gewusst.“

Am nächsten Tag fiel, oh, es fiel so viel Schnee,

im Innen wie Außen gefrorenes Licht -

so geht es, wenn’s Herzen an Wärme gebricht.

Und Winter ward’s leider und Winter ward’s, eh

die Liebe konnt’ wachsen zu einem Gedicht;

und Liebe ward’s leider und Liebe ward’s nicht.

Bettina Oehmen

 

Waldnymphe

Im

Blättergewirr

Deiner Augen finde

ich mich, Waldnymphe,

verborgen und gehütet

wie die letzte Blüte

vor Einbruch des

Winters.

Dein

Atem

wandert

durch meinen

Körper, wandelt

Blut in Wein, Herz in

Frucht, unsere Münder

in das Brot des Lebens.

Beredt

die Kuppen,

mit denen Du

meine Täler

bewachst.

Bettina Oehmen

 

Bitte an den Geliebten I

Wenn du mich beschreibst,

leg’ deine Worte behutsam

auf meine Haut und lies sie

immerfort, damit ich weiß,

wer ich bin.

Bettina Oehmen

 

Bitte an den Geliebten II

Sei du mein Mund,

sei du die Ebbe und Flut meiner Worte.

Sei du mein Heben und Senken,

mein Wissen und Lieben.

Sei du der sandige Mund des Vergebens.

Sei mein Vergessen.

Verlassen ruh’n in mir die Berge und Täler,

wenn niemand sie je mehr besingt.

Bettina Oehmen

 

In dieser Nacht

In

dieser

Nacht,

so kalt, bist du

die Hitze des Sommers mein,

duftend nach Haut und nach Pinien,

bist mein Lavendel. Du bist Wacholder mein,

in deinen Händen ein Sirren, Zikaden am Waldessaum.

Du bist die Stimme im Zentrum der Schwärze, bist Auge

aus Mond und Gestirnen, bist Atem, der mich befeuchtet

und tränkt meine Erde, du, Hitze des Sommers mein.

Bettina Oehmen

 

Herbstliebe

Du warst in Halm und Blüte.

Jetzt wohnst, Geliebter, Du im Wind,

im Tau des Herbstes,

färbst mich bunt wie Lindenlaub,

das neulich in mein Zimmer wehte.

Du streicheltest mein Morgen

und umfängst mich jetzt.

Und ich, ich streichel Dich

mit meinem Denken, deck’ Dich zu

mit Atem und ich teile meine Haut mit Dir.

Leg’ Du getrost die Linien

Deines Mundes in mein Tasten,

denn heut’ bin ich der Herbst

und beide lassen wir

die Blätter fallen.

Bettina Oehmen

 

Antike Liebe

Im Lavendel deiner Buchten ankerte ich; das

Schwere wurde leicht im Angesicht deines

Schweigens, das mich trug wie das Meer vor

dem Sturm der Gesänge aus Pinien, Salz und Tang.

Binde mich mit silbern gesträhnten Wellchen,

damit ich nicht kopfüber in Deine Fluten stürze

und mich vergesse im Geflüster der Sirenen,

das aus Deinem Körper in den meinen strömt.

Berühre mich mit Deinem Herz aus Rosmarin;

komm, lass uns einen Kranz aus unsern Leibern

flechten, mondbeschienen auf den Marmorstufen

ewig endlich währenden Verschmelzens.

Bettina Oehmen

 

Antike Liebe II

Milder weht dein Atem nun an meiner Brust,

die noch eben deinen Hunger stillte.

Willst du meine Beeren nicht mehr kosten,

wand’re heiter in den Schlaf, Odysseus, du.

Hast dich verirrt an meine Küsten, alle meine

Hunde schwiegen, die mich sonst bewachen,

ja, sie schmiegten sich an deine Beine,

die so weit in mir gewandert, dass du nun

mich besser kennst als ich mich selbst.

Und mit Weinbeeraugen wirst du mich

beschauen, wenn du deiner Sinne mächtig,

aus dem Reich der Schatten trittst. Atme weiter,

gib mir den oliventrunk’nen schweren Körper,

gib ihn mir zur Aufbewahrung;

bist Geliebter mir, bist Kind und bist mir

Tod und Leben. Atme weiter und verwehr’ mir

niemals dich zu lieben wie du, mondengleich,

jetzt um mich kreist und mich zum ird’nen Krug

erkoren, stets mit deinem Wasser,

stets mit deinem Wein erfüllst.

Bettina Oehmen

 

Antike Liebe II

Milder weht dein

Atem nun an meiner Brust,

die noch eben deinen Hunger stillte.

Willst du meine Beeren nicht mehr kosten,

wand’re heiter in den Schlaf, Odysseus, du.

Hast dich verirrt an meine Küsten, alle meine

Hunde schwiegen, die mich sonst bewachen,

ja, sie schmiegten sich an deine Beine, die

so weit in mir gewandert, dass du nun

mich besser kennst als ich mich selbst.

Und mit Weinbeeraugen wirst du

mich beschauen, wenn du,

deiner Sinne mächtig,

aus dem Reich der

Schatten trittst.

Atme weiter,

gib mir den

oliventrunk’nen

schweren Körper, gib

ihn mir zur Aufbewahrung;

bist Geliebter mir, bist Kind und

bist mir Tod und Leben. Atme weiter

und verwehr’ mir niemals dich zu lieben

wie du, mondengleich, jetzt um mich kreist

und mich zum ird’nen Krug erkoren, stets mit

deinem Wasser, stets mit deinem Wein erfüllst.

Bettina Oehmen

 

weiß - dunkel

Du denkst an Zwielicht,

an matt schimmernde Haut

gestreift vom Licht

des kaum vollendeten Mondes;

an Hände, die kein Wagnis scheuen,

sich wie Reif auf Oberflächen legen,

wie Nebel eindringen in dein Innerstes,

das du für unantastbar hieltest

und doch hingibst

für den Augenblick

vollkommener Nähe;

und denkst an Dunkelheit,

an den vom Himmel gepflückten Mond,

an leiser werdenden Atem

und immer noch klingende Bewegung,

der Körper hingehaucht

als Liebeswort für den,

dem die Hand zu eigen,

matt schimmernde Winterhand

im ehemals gestreiften Licht.

Bettina Oehmen

 

Zuwendung

Ich atme über deinen Lippen.

Meine Wimpern streicheln die Stirn,

hinter der du an mich denkst.

Und mein Herz baut sich ein Nest

in deiner Brust.

Bettina Oehmen

 

Warmgelb

In deinem Warmgelb geborgen über

sinnlich zum Nest verwinde Leben

langsamer als Schmerz gebunden

an Welt wunder und Männlichkeit

in den Zeiten vor Adam und Eva sein

wieder und wieder lässt atmen leiser

und sterben wollen suchen und

schmiegen in Himmelsgarben aus

weichen Herzen und flüsternden Lippen

hinter vorgehaltener Hand voll und

grundlos das Weinen lachten

doch schon die Alten und starben an

Denken und Sein

Wein

Ich gebe mich dir willig hin wie Wein,

den du im Glase kreisen lässt.

Und meine Trauben werden zu dir sprechen,

in dir raunen, und dein Blut wird ranken

über Haus und Garten und wird singen

von den roten Erden voller Mohn und Ginster

und wird ölbaumsilbern lugen über

den kristallen feingeschliff’nen Rand der Erde.

Aus dem Wein wirst du mich flüstern hören,

werden meine Arme dich umfangen,

werden meine Lippen dich so sanft

und so voll Süße streifen, dass den Wein du

bis zur Neige trinkst. Und selbstvergessen dann

wirst du ins Weiße deines Mondes schau’n.

Bettina Oehmen

 

Princess

I’m the gem in your crown,

take you up when you’re down,

I will live in your paradise.

I’m the kiss on your mouth,

I’m the hand that goes south

and will reach out for butterflies.

In your dreams that fly high

I’m the sound of your sigh,

I’m the wish in the white of your eyes.

I’m the moon in your cloud,

I will tell you about

all the truth which does hide behind lies.

There’s no reason for fear,

’cause your luck is so dear,

is so dear to me, would you believe?

In the hours of rest

in your motherbirds’ nest

will be stilled all your sorrow and grief.

In the depth of your mind

you may follow me blind,

I will show you the way to be healed.

In your beauty you rest

like in motherbirds’ nest

and your power will soon be revealed.

Bettina Oehmen

 

Im Gelichter

Im

Gelichter

des Strohhutes

erwarte ich deinen

Kuss.

Wie eine

Handvoll

Körner ist

mein

Lächeln über

das Land gestreut.

Unter der Seide deines

immergrünen Himmels bin

ich eingesponnen, spiegle mich

in deinen Gedanken. Mein Kleid

ist Samt und sonders, viele Blüten

gestickt aus Momenten auf

Waldboden und Sommerheide.

Und wenn ich mich jetzt erhebe

und

das Weiß

meines Körpers

in deinen Augen zu

Lust verschwimmt,

dann lächle auch

du.

Bettina Oehmen

 

Saaten

An gelbgestreichelten

Abenden denk’ ich an dich,

und ich säe meine Liebe in die

Wiese deiner Augen. Mohnfarben

glüht, was noch eben ungesagt.

Bettina Oehmen

 

Kosmos

Wenn unser Kornblumenhimmel

Abschied nimmt, liebe ich dich

unterm wilden Jasmin, und Rosen

werden in mir blühen unter Deiner

Berührung, und mein Herz wird

in Deinem aufgehen wie eine

kleine Sonne und ein kleiner Mond.

Bettina Oehmen

 

Quellengeflüster

Ginster, über die Hügel gestreichelt,

malvenschimmernd der Himmelssaum.

Unterm nachtblauen Kuss erwachen

die Sterne, die du an meinen

Himmel hängst. In meinen Ländern

bist du bewandert. Dein Tasten

erweckt das Grün der Quellen

in mir, die, augentief, aus dem

Nichts entspringen. Und ein

seltener Fisch wird den Felsen

streifen, auf dem unsere Liebe

sich gründet.

Bettina Oehmen

 

Mann,

Du liebst eine Frau des Waldes, grüngeädert,

mit Mond im Haar und Sternen auf Moos und Rinde;

deren Herz pulsiert im Rhythmus des Vogelerwachens;

Krähengewitter.

Die Stämme mit Kronen aus Licht und Himmelsgebirge ihr Leib;

ihre Küsse Blätter, die auf dich hernieder regnen im Herbst,

und im Winter dich decken in einer immerwährenden

Liebesberührung.

Du, Jäger des Mondes.

Du liebst eine Frau der Nacht, blaugestirnt,

mit dem vielversprechenden Lächeln kommender Tage,

wie Perlen gereiht auf die Angst aus Verlöschen und ewiger

Wiederkehr.

Das Gesicht aus Sonne und Mond, Spiegel dessen,

was immer schon war in der Erinnerung täglicher Nächte,

in denen du Gebieter warst und sie

Gebieterin.

Du, Hüter der Träume.

Du liebst eine Frau der Wüste, girrend gelb,

mit den auf- und niederschlagenden Augen aus Luft und Wärme,

die Wimpern Sturm und verschlossene Nüstern,

der Atem

verschwiegen in der Hitze des nahenden Himmels;

im sandigen Mund ein weiterer Mond

ein weiterer Wald eine weitere

Nacht.

Du, Jäger der Träume,

Hüter des Mondes,

Träumer der Liebe.

Bettina Oehmen

 

Liebeszauber

Mönchisch der Sonnenklang,

grüngestreichelte Erde,

blickt mein See durch Vogelwimpern,

raunt: „Umfange ihn,

den lieblich kühlen Nixenkörper,

schling’ Algen fein

um seine Brust und schmücke ihn

mit deinen Atemperlen.“

Erde streichelt Gras,

die Sonne, Frucht, wird schlummern

tief, in Nixenarmen, schlaf auch du.

Bettina Oehmen

 

Späte Liebe

Ist dieses Flattern, dieses Beben,

ist dieses Schaudern Liebespein?

Noch nie in meinem ganzen Leben

wollt’ ich mit einem Manne sein.

Doch dieser hier, er kann mich rühren,

er hebt die Hand, er neigt den Blick,

ich kann sein Denken fast schon spüren,

sein Sehnen nach dem Liebesglück.

Dies bange: „Ist sie’s? Wird sich’s fügen,

was ich mir lang’ erträumte schon?

Kann ich dem strengen Blick genügen,

darf ich erwarten Liebeslohn?“

Ich zög’re, zaud’re, will bedenken

und dennoch zieht’s mich, ihm nur ein,

nur dieses Lächeln halb zu schenken.

Er nimmt es ganz, und ich bin sein.

Bettina Oehmen

 

ZEITRAFFER

Rot geflaggt meine Leidenschaft.

Willst du lieben? frag’ ich.

Leiden will ich nicht, sagst du.

*

Wer bist du? fragen dich meine Fingerspitzen.

Woraus bist du gemacht?

Aus Liebe, sagst du.

*

Such mich am Himmel,

denn dort hat mich die Sonne hingeküsst.

*

In der Speisekammer deines Hungers

Mund sucht Nahrung

säuge dich

*

Bist du die Stimme, mit der ich singe?

*

Gestern noch atmete ich,

heute bist du das Heben und Senken

meiner Brust.

*

Wir sollten uns lieben und sterben in dieser

und jeder noch folgenden Nacht.

*

Wenn du mich liebst,

ich sag’s dir gleich:

Innen bin ich nackt.

Stört es dich?

*

Such mein Verderben nicht in dir,

verschenk’ stattdessen deinen Atem.

*

Du, Flamme in meinem Körper,

zünde mir mein Herz nicht an.

Mit diesem Herzen lieb’ ich dich.

*

Sag’, wird es heut’ Gewitter geben?

Stürmt dein Blick?

Sei ruhig, Geliebter,

süß ist meine Liebe.

Schau.

Denn schon erbarmt

mein Mund sich deiner.

*

Deine Gedanken über meiner Haut;

nur herzfern spüre ich sie nicht.

*

Wohnt Herbst in deinem Blick?

Sagt dein Atem, wann der Winter kommt?

*

Dies Zögern dein,

ein Wimpernschlag

der Zeit.

*

Will dieses Lächeln meinen Tod sofort,

oder will es mich sorgsam leiden lassen?

*

Wort verdorben,

au goût,

zu lange abgehangen.

*

Grausamer! Herzverschließer! Wahlloser!

Wähltest du mich, um deinen Blick zu stählen?

*

Nimm doch gleich alles,

nicht nur Herz,

nimm auch die Knochen, Haut, Gedärme,

schling’ sie trophäengleich

um deinen Hals!

*

Das Pochen dort in deiner Brust.

Bauarbeiten?

*

Kuss aus Ginstermond

sterngleich dein Winterblick

Hände aus Herz im überschwang

verlorener Momente

*

Ein Grab bin ich.

Ich bitte dich:

pflanz’ Veilchen auf mich,

denn ich mag sie nicht.

*

Bettina Oehmen

 

Meeressterben

Gezeitenwechsel hilft, in deinem Bett

als Strandgut heut’ zu enden.

Ein Schiffbruch ist’s mit Augen voller Liebe,

ein Versanden deiner Träume,

Salz auf mir, vergessen, fühllos liegt

mein Körper auf dem Grund des Meeres,

Augen mein aus Jade, Mund

korallenrot, das Herz in Nixenhand.

Und droben im Azur des Himmels

wird dein Schriftzug blass und blasser,

ausgelaugt, verblichen, fad gefah’rn

vom Sonnenschiff.

Bettina Oehmen

 

Rat an Theseus

Dein Blick ist abgeirrt im Liebeslabyrinth der Illusion,

kein roter Faden, Ariadne hat den Zug verpasst.

Nun trinkst du Becher des Vergessens

mit dem Untier in dir drinnen, das es länger

zu bekämpfen gilt, als du, Naiver, plantest.

Sag’, du Blinder, willst denn immer noch

das Tageslicht erschau’n? Hör’ meinen Rat: Bleib’ unten,

bleib’ dort, wo du hingehörst, bleib’ unten, stirb.

Bettina Oehmen

 

Dankbar

Ich danke dir für dein Geschenk,

das mich nun leiden sieht.

Und immer, wenn ich dein gedenk’,

mein Blick entflieht.

Bettina Oehmen

 

Ein Ende

In der Wut eines Herzens

gedeiht Dornenrot, blindlings

Nichtgesehen, Liebe verraucht,

Zunge in Schwertern, heldenhaft,

Rüstung verfeuert, blutgedörrt,

Wahn ohne Sinn, wer über

Mut ohne los, Wunder erlebten

wir vorgestern, in Scheunen

und Schenken nichts umsonst.

Bettina Oehmen

 

Liebesqualen

Zerronnen sind die hehren Träume,

verschwendet ist der Atem dein,

mit leeren Augen streifst durch Räume,

durchstreifst die Straßen ganz allein.

Der Sinne Jubel ist entschwunden,

im Himmelsauge nun verblasst

das Schwören ew’ger Wonnestunden,

der Liebe Worte sind verprasst.

Nie wieder willst dein Herz verschenken,

nie wieder öffnen seine Tür’n;

und doch musst du jetzt an ihn denken

und wirst ihn ewig in dir spür’n.

Bettina Oehmen

 

Gefangener

Befreie mich von dir, du Sklave

auf der Galeere meiner Gedanken.

Dies Rebellieren in meinen Reihen,

dies Aufbegehren auf offener See

ohne den Schutz meines heimatverliebten

Hafens. Befrei’ mich von dir,

eh’ mein Schiff gänzlich kentert und

sinkt und du dunkel und stimmlos wirst.

Bettina Oehmen

 

ADE

Willst du kommen, willst du gehen,

willst dein Antlitz auf mich legen?

Willst du spüren, wie dein Sehen

sich verändern will deswegen?

Denn die Lippen, die dich küssen,

sind so sanft, und es geschehen

manche Dinge, die wir müssen,

anderes, das wird verwehen.

Bettina Oehmen

 

Tabu

Vergeblich such’ ich meinen Blick,

ich weich’ mir aus und wende

den Blick auf meine Hände.

Die Hände mein, sie dreh’n zurück

die Zeiten, wo in mir getost

der Liebe Brand. Zu Ende

ist uns’re Lieb’, ich schände

den Ort, wo mich dein Blick gekost.

Darum nur, drum

schau ich mir nicht

ins Angesicht.

Bettina Oehmen

 

überlegenheit der Nixe

Hättest du eher

den Mund aus Wasserlilien mir berührt,

wärst du schon länger mein Gefang’ner,

armer Tropf;

schau: aus den Gräten deines Leibes

wirkte man mein gestriges Korsett;

zum Spielen nahm ich’s, nicht zum Tragen.

Wer wagt’s schon, eine Nixe einzuschnür’n?

Bettina Oehmen

 

Aufruf

Wär’ ich meine eigene Dame,

dann wärst du schon längst

der Herr deiner Wünsche.

Komm, zögere nicht!

Auch wenn du dir Helena

niemals würd’st rauben,

die Burg deiner Träume,

sie liegt zwar im Efeu begraben,

doch Schatzgräber wolltest du sein.

Bettina Oehmen

 

Der Komplizierte

Eine Sonne will dergleichen nicht,

was du in deiner Umschuld mich

gebeten.

Eher ein Mond am Himmel aus

getrockneten Lavendelblüten,

eher ein Stern aus dubiosem

Hause mit der Leuchtkraft

eines Glühwurms, eher ein

Lampion aus der guten alten

Martinszeit,

oh nein, ein rotes Licht im Viertel

Weiß-nicht-wo und Kenn-ich-nicht.

Und doch: aus brüderlicher Liebe

will ich dir die Brüste küssen,

ach, aus brüderlicher, nein,

aus väterlicher Liebe, ja.

Wo sind sie gleich? Ach, da!

Bettina Oehmen

 

Sommerwinter

Winter trägt Sommer im Herzen.

Jasmin im Schnee duftet nach

deiner Haut im Sehnen des

Waldes unterm Sonnengefleck.

Wunschnähe im Pochen der

Ader an deiner Schläfe, die

nimmermüde meine Lippen

empfängt, das Tasten meiner

Zunge, den forschenden Blick

meiner Fingerspitzen; Ader, die

dein Blut wie Quellen in sich

vereint und Herzsprung in

Frühling verwandelt. Krokus,

Narzissen dein Kuss, im Atem

dein blindlings erschaust du mich.

Bettina Oehmen

 

Dein Honig

Mit meinem Honigmund

hab’ ich Dich grad’ geküsst.

Mit deinen Lippen kannst du jetzt

ganz viele Briefmarken verkleben,

kannst Fliegenfänger sein,

Verdruss für Spiegelputzer,

Serviettenwäscher,

du kannst Quell für späte Bienen sein.

Du kannst mich allerdings

auch wiederküssen,

und dann leck’ ich Dich so lang’,

bis Du mich gleich

mit Haut und Haaren

als Dein Frühstück frisst

und Honig, immer Honig nur

in deinem Sinne trägst

den lieben langen Tag.

Bettina Oehmen

 

Fremd

Du kommst mir nah, du bleibst mir fern,

von welchem Stern, sag, bist du denn?

Ich sah in dir den Orion, ich weiß wovon

du träumen magst. Du kommst von dort

und ich vom Mond. Hat sich’s gelohnt?

Bettina Oehmen

 

Winterliebe

Schwerthand

unterm Geflüster

des weißen Gezweigs

Goldatem

im Salbei

deines Mundes

trinke dein Blut

bis zur Neige

der Nacht

sternlos

und doch licht

geneigt dein Haupt

Bettina Oehmen

 

Schokoladenzauber

Geliebter Unvernünftiger,

der mich mit Schokolade liebkoste,

sei getrost ein sorglos Liebender,

Geben und Nehmen, eine Hingabe,

ein Einvernehmen, ein herbsüßer

Schokoladenfluss, ein erdbrauner

Springbrunnen mit Augen voller

Hexenzauber auf einem Besen

über den Wipfeln der Stadt.

Bettina Oehmen

 

Waldwunder

Ein bronzeblauer

Hortensienkuss

auf die eisigen Lippen der

Wolkenbraut. Ein Abendfeuer

gedacht an den herbstlichen Himmel,

im Sichelglanz des Mondes Mistelzauber.

Deine Liebe ein Immergrün, gedeckt

aus Stoffblumen über Eichelhänden.

Dein Vorrat an Wärme niemals

aufgebraucht, verborgen

in der Rundung

deines Herzens.

Bettina Oehmen

 

Heilung

Die

Prinzessin

lächelt einen

Dämon hinweg,

der

sich, über sie gebeugt,

beschweren wollte mit

dem alltäglichen Bösen.

Unbesehen nimmt sie den

Flügel in die Hand, die,

durch Liebkosung

weich geworden,

Dunkles in Licht

verwandeln kann,

streichelt ihn wie

einen Schmetterling und

entlässt ihn mitsamt seinem

gestillten Weh in die Freiheit.

Bettina Oehmen

 

Bericht

Ich bin

gestern

in Flüssigeis

geschwommen,

in einem Teich, dessen

grüngläsernes Wasser zuerst

den Körper umschloss wie eine

strenge Hand, die sich dann öffnete

und zu streicheln begann. Ein Fisch

hat mich angelächelt, ich habe

ihn leider zu spät erkannt.

Nach zwei Runden

war ich so weiß wie

ein Sommerhimmel in

der Sahara, nur etwas kühler.

Mein Mund aber blieb rot und

wollte geküsst werden.

Bettina Oehmen

 

Verbot

Unter deinen Fingerkuppen wächst ein Zauberland

mit Bergen, Tälern, Wäldern, Auen. Wie ein Fuchs

streifst du durch meine wilde Gegend, die sich

selbst genügt und Menschen meidet. Bäche stürzen

todesmutig sich herab vom Vorsprung unserer Liebe,

Regenbögen spannen sich von einem Mond zum

andern, streifen dich, Fuchs, flüchtig. All die

Nüsse, die du findest, sollst du pflanzen, denn sie

werfen schöne Kleider ab und Wünsche, wenn sie

großgewachsen, Baum sind, schlank und edel und

zu Wünschelruten werden. Nur die Gräber

sollst du meiden, nur den Tod, sonst nichts.

Bettina Oehmen

 

Waldfee

Waldfee streichelt dich und

flüstert dir etwas ins Ohr,

ganz leis' in dein

mondversilbertes Ohr,

und haucht etwas auf

deine von Liebe versiegelten

Lippen, etwas von Liebe

und von Wipfeln und

dem komischen Kauz

dort droben, nicht dem,

der vorgab, uns erschaffen

zu haben, sondern dem,

der über unsere Liebe

wacht im sternenbehauchten

wispernden Immerwald.

Und deine Immerhand

spür' ich auch heut',

und lang' vor der Rechnung

des Kauzes liebte ich Dich

schon so und anders,

und Du lagst in meinem

Schoß und ich in Deinem,

als wir selber noch Sterne

waren und funkelten, was

das Zeug hielt. Drum küss'

ich Dich heute ganz anders

und still' meinen Hunger

nach Dir durch mein

Lächeln, in dem Du wohnst,

seit Du mich kennst.

Bettina Oehmen

 

Burgfräulein

Du, meine Nacht,

dein Traum, mein Tag,

du bist in meinen Händen,

in deinen Adern puls ich,

du tanzt in meinen Augen,

in deinem Mund zergeh ich.

Ich bin dein Toben,

du mein Feuer.

Du bist in meiner Haut,

in meiner Stimme.

Hör ich dich, wie du jetzt atmest,

oder seufzt der Wind, die Taube,

wispert Himmelsgrün in deinem Streicheln?

Aus meinem Turm heraus, da seh ich dich,

in deinem Turm, von Turm zu Turm

seh ich das Seil gespannt, von Spinnenhand gewebt,

und nie wird es zerreißen, nie, solang es Himmel gibt

und Wolken, Erde, Meer und Tang.

Bettina Oehmen

 

Wenn du willst

Der Himmel in den Farben der Quitte

spuckt glänzende Kerne aufs Dach

aus Erde; wenn du willst, nenn es Herbst.

Selbstvergessen sammeln wir Nüsse,

in denen sich schon das Leben regt

mit strampelnden Beinen und

Käferaugen; wenn du willst, nenn es

Morgen. Nach Pilzen und modrigem

Blätterverfall duftet dein Haar. Du

schlingst die Gedanken empor

wie Efeugerank, empor an der rissigen

Haut der Riesen, die, verklammert

mit Himmel, noch Wurzeln

versenken im ewigen Dunkel;

wenn du willst, nenn es Tod.

Hol dir den Sturm in dein Haus

und ernte das Schweigen. Wie

golden leuchtet dein Antlitz,

Geliebter, unterm Ansturm der Nacht.

Wenn du willst, nenn es Liebe.

Bettina Oehmen